Sqip wirft viele Fragen auf

Markus Burgdorf | 10. März 2009 - 18:11

In den letzten Wochen erhielten wir viele Mails von Anbietern eines neuen Multi-Level-Marketing-Systems namens SQIP. Eine erste Internetrecherche auf sqip.com führte auf eine japanische Seite mit einem niedlichen Flash-Intro, also weiter gesehen und so kamen wir dann auch zu sqipcom.com, einer bei Keyweb in Deutschland gehosteten Seite.

Die Seite verspricht, dass SQIP das neue große Ding im Internet werden soll. Man möchte Online-Marktplatz, Social Community, Bezahlsystem, MP3-Suche, Frage-Portal, Freemail, Werbung, Dating und noch einiges mehr auf einem neuen Portal vereinen. Heute ist die Seite noch in Englisch, soll aber demnächst auch in deutscher Sprache kommen. Clou des Ganzen soll sein, dass man PEP kauft. Unter PEP versteht SQIP Private Equity Points, die für mindestens 100 Euro gekauft werden sollen. Mit diesem eingesammelten Geld will SQIP dann wachsen.

Nach dem typischen Schneeballsystem sollen dann die Affilate-Partner und/oder Stakeholder Geld verdienen. Das erinnert doch ziemlich an so manchen anderen Start.

Laut Webseite kauft der durchschnittliche Affilate für 560 Euro PEPs. Dazu gibt es dann einen tollen Rechner, der einem zeigt, was man verdienen kann, wenn man 5 Leute wirbt, die wiederum je 5 Leute werben, die wiederum je 5 Leute werben. Bei nur 100 Euro Investition bekommt man laut Rechner dann in 5 Stufen 3905 Mitglieder zusammen und verdient 39.050 Euro.

Klasse Sache, wenn das Leben so einfach wäre. Aber wenden wir uns mal den Fakten zu, die wir der Webseite entnehmen: Es gibt unter der Seite einen Investorenfragebogen, der uns doch schmunzeln lässt. PEPs haben keine Rechte, aber das Versprechen, monatlich Dividende zu erhalten. Die in die Zukunft gerichteten Aussagen sind sehr euphorisch und damit auch gefährlich. Für uns sieht das nach einer mehr oder weniger geschickten Umgehung der Vorschriften und Gesetze aus. Inwieweit dieses Verfahren Bestand hätte, wenn es von der BAFIN geprüft würde?

Wer steckt dahinter? Lassen wir Sqip selber antworten:

“What began as fun discussions between friends gradually evolved into Sqip. Developers, designers, technicians, business, legal and finance people/companies from around the world heard about Sqip and got involved in making it happen. SqipCom Ltd is a ‘Social Enterprise’ company which channels its’ profits to support other Social Enterprises, environmental, artistic & education projects.”

Das hört sich nett an und vor allem gaaanz groß. Die Ltd. sitzt nach Angaben der Seite hier: Suite 1, Mec Complex, Avenue D’Aroha, Providence, Mahe, Seychelles (die Adresse wurde so, wie sie geschrieben stand, von der Seite entnommen).

Falls jetzt aber doch bei einem der Investoren (und nichts anderes sind die Werber, die selbst Geld einbringen müssen) Zweifel kommen, so verweist die Seite auf die Zusammenarbeit mit einem börsennotierten Unternehmen, der Global IP Solutions Holding AB mit Sitz in Norwegen. Der Link zur Bestatigung der Aussage mit gleich mitgeliefert:

Link zur Google-Suche

Man könnte auch direkt auf die Seite verlinken, aber das macht wohl nicht genug her. Witzig ist nur, dass die Global IP Solutions Holding einen Vertrag mit einer SQIP GBR geschlossen haben soll. Darf eine GBR in Deutschland SQIP heißen? Nein, darf sie nicht. Denn eine Gesellschaft Bürgerlichen Rechts (GBR) darf keinen Phantasienamen führen. Insofern ist der Versuch, die Seriosität mit dem Link nachzuweisen, hinfällig.

Bleibt das Impressum der Seite, die ja schließlich in Deutschland gehostet wird. Muss man noch erwähnen, dass am 10. März 2009 kein gültiges Impressum auf der Seite war? Immerhin gibt es eine Kontaktseite, die sich per Pop-Up öffnet und eine Anschrift in London als Postanschrift nennt: SqipCom Ltd, 95 Wilton Road, Suite 3, London, SW1V 1BZ, United Kingdom. Dort sitzen viele Firmen, im gleichen Büro firmiert auch eine Real Estate & Capital Investment Limited, eine Quo Vadis Consult Ltd und und und. Die Adresse ist in Fachkreisen bereits bekannt, wie man unter dem Link unter Quo Vadis schnell herausfindet.

Wer also Mails erhält, durch die er animiert werden soll, bei SQIP zu investieren, sollte etwas genauer hinsehen. Mit etwas mehr Recherche findet sich sicher noch mehr…

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Neue Masche: Nigeria-Connection jetzt als Investoren unterwegs

Markus Burgdorf | 24. Dezember 2008 - 12:36

Von einem befreundeten Anwalt aus USA erreichte uns heute folgende Geschichte: Investoren meldeten sich bei einem Unternehmen und wollten einen deutlich siebenstelligen Betrag investieren. Man bat nach Vorgesprächen um die üblichen Unterlagen (Geschäftsplan, Planzahlen, Bilanzen, GuV usw.) und als man diese erhalten hatte, forderten die “Investoren”, dass zur finalen Entscheidung über das Investment die Unterlagen von einem unabhängigen Wirtschaftsprüfer geprüft und testiert werden müssten. Die Prüfung sollte bei einer Gesellschaft in Großbritannien stattfinden. Für die Prüfung gab es eine Rechnung über 20.000 Euro und als diese bezahlt worden war, meldeten sich die “Investoren” nicht mehr und waren auch nicht mehr erreichbar.

Es gibt Anzeichen, dass hier die Nigeria-Connection unterwegs war und höchst professionell vorgegangen ist, so dass das Opfer keinen Verdacht schöpfen konnte. In den nächsten Tagen sollen wir Details zu diesem Vorgehen erhalten und werden unsere Leser informieren, wie der Betrug aufgebaut wurde.

Nachdem sich mittlerweile herumgesprochen hat, dass die “vergessenen” Millionenbeträge, die riesigen Erbschaften und und und nur dazu dienen, von den gierigen Opfern Vorkosten zur Transaktion des Vermögens und ihrer Prozente zu verlangen, geht die Nigeria-Connection nun offenbar neue Wege, die gut in die Zeit passen. Wenn hunderttausende Unternehmen frisches Geld brauchen, eröffnet sich für diesen Betrug eine riesige Zielgruppe.

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Tipp: Vorher recherchieren

Markus Burgdorf | 10. Dezember 2008 - 17:14

StartUps, die auf Geldsuche sind, sollten vor der Aufnahme von Gesprächen, potenzielle Geldgeber genau untersuchen. Dafür muss man sich Zeit nehmen, denn erst in den Tiefen des Internets erfährt man, wer sich da gemeldet hat.

Ein Beispiel: Diese Woche erreichte uns ein Brief einer Firma Success through Experience Ltd., in der man eine stille Beteiligung anbot. Der Brief war professionell geschrieben und enthielt einen Vertragsentwurf. So wirkte er durchaus seriös.  Der Kollege, der den Brief erhielt, war natürlich erfreut und wollte sich gleich mit dem Unterzeichner Peter Hochschild treffen. Als ich ihn fragte, ob er denn schon recherchiert habe, was das für eine Gesellschaft sei, sagte er, dass im Internet nichts zu finden sei. Es seien halt vermögende Senioren, die Kapital anlegen wollten.

Ich habe daraufhin nochmal die Suchmaschinen bemüht und sehr deutliche Hinweise gefunden, dass man von dieser Firma besser die Hände lassen sollte.  Hier mal zwei Beispiele für die Suchergebnisse:

Fall Hochschild auf ermittlungsakte.de
GoMoPa – Kennt jemand Peter Hochschild?

Ich kann allen, die eine Finanzierung brauchen, nur dringend raten, sich vorher genau über die vorgeblichen Investoren und Kapitalgeber zu informieren. Die Stunde, die man vielleicht daran sitzt, ist sehr sehr gut investierte Zeit, denn sie spart einem einen deutlich höheren Zeitaufwand und vielleicht sogar die größte Enttäuschung seines Lebens.

Oft genug passiert es, dass die vorgeblichen Investoren dann für dieses und jenes Geld verlangen und sich dann nach Erhalt dieser Zahlungen nicht mehr melden.

Bei der Suche sollte man zunächst nach der Gesellschaft suchen, dann noch einmal nach allen Namen, die im Zusammenhang mit der Gesellschaft genannt werden. Natürlich versuchen die so genannten “Kapitalgeber” kritische Berichte aus dem Internet entfernen zu lassen, deshalb ist es wichtig, sich nicht durch zahlreiche Adresseinträge der besagten Firma blenden zu lassen. So einfach, wie in dem Beispiel mit Success through Experience ist es leider nicht immer. Teilweise macht es sicher auch Sinn, mal in die Handelsregister zu sehen, ob die Firma dort eingetragen ist.

So erhält man Hinweise, ob es sich lohnt, für dieses Angebot Zeit aufzuwenden.

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