Investorenkapital.com bringt Kapitalsuchende und Kapitalgeber zusammen und schafft so einen Mehrwert für die Wirtschaft in Deutschland, in Österreich und in der Schweiz.
So weit unser Mission-Statement…
Der Antrieb, diese Seite zu starten, liegt in meinen eigenen Erfahrungen bei der Kapitalsuche. Ich habe 2005 einen Online-Marktplatz gestartet und dafür mündliche Zusagen zur Finanzierung nach Erreichung definierter Erfolgskennziffern gehabt. Als ich diese Werte zu 200% erfüllt hatte, ging ich zu den Kapitalgebern zurück und musste dort das Gegenteil von dem erleben, was zugesagt worden war. Offenbar hatte man damit gerechnet, dass wir die vorgegebenen Ziele nie erreichen könnten. So strich uns die Commerzbank sogar die Erlaubnis zum Abbuchen, weil die Beträge sich innerhalb von Wochen vervielfacht hatten. Die Volksbank, zu der wir dann wechselten, erhöhte zwar den Abbuchungskredit, gab natürlich keinen Kontokorrentkredit und zeigte nach Kontenwechsel auch kein Interesse mehr.
Es schloss sich eine Odyssee an, bei der Venture Capital Unternehmen, Privatinvestoren, Kapitalvermittler, Kapitalberater, Banken und Business-Angels beteiligt waren. Teilweise sogar aus USA und Großbritannien. 18 Monate lebten wir immer mit dem Versprechen, dass bald das zum schnelleren Wachstum benötigte Kapital verfügbar wäre.
In der Zwischenzeit habe ich bis auf den letzten Cent alles ins Unternehmen investiert, habe Mitarbeiter bezahlt, Werbung im kleinen Rahmen gemacht und immer wieder an neuen Präsentationen geschrieben. Mit der Zeit wurden die Forderungen der Investoren immer abstruser ” I’ll give you a million Dollars, if you manage to start in US within four weeks”, oder “I need a complete changed business-plan for our 2,000 investors in England” – einige Monate haben wir nahezu jeden dieser Wünsche erfüllt. Es gab mittlerweile fünf Versionen von Business-Plänen nach Wachstumskapitalhöhe, weil jeder etwas anderes wollte. Wir haben uns in dieser Zeit fast zu Tode gerechnet.
Wir wurden nach München eingeladen, sollten dort präsentieren. Als die Präsentation fertig war, meinte der Einladende zu seinem Internetbeauftragten: “Jetzt sehen Sie mal, was die mit vier Leuten geschaffen haben – und Sie kriegen mit 100 Mann unsere Webseite nicht fertig”. Investieren wollte er dann doch lieber nicht – und so blieb das schale Gefühl, einige hundert Euro dafür investiert zu haben, dass der CEO seinen Webmannager mal richtig vorführen konnte.
Schön waren auch die Gespräche mit den Venture-Capital Investmentmanagern, die meist unvorbereitet in die Gespräche kamen, unsere Unterlagen teilweise kritisierten, ohne sie überhaupt gelesen zu haben. In solchen Gesprächen kommt immer irgendwann der Moment, wo man merkt, ob der vorher übersandte Business-Plan gelesen wurde. “Ihre Zahlen sind zu oberflächlich”, meinte ein Investment-Manager während der Präsentation. Als wir ihm sagten, dass er die genauen Zahlenplanungen mit allen variablen bereits vor Wochen zusammen mit dem Business-Plan erhalten habe, gab er zu, sowohl den Plan als auch die Zahlen nicht gelesen zu haben. Die zahlen in der Präsentation waren natürlich nur eine Zusammenfassung der genauen Planungstabellen.
Manche Investment-Manager spielten sich auf, als ob sie die Entscheidung allein treffen würden und machten Ankündigungen, die sie nach Gespräch mit ihren Chefs nicht halten konnten. Andere begannen das Gespräch mit den Worten “Eigentlich wollte ich Sie garnicht einladen, denn eine Chance auf Finanzierung sehe ich nicht…” Bis heute stehen noch Entscheidungen von führenden Gesellschaften aus, ein Herr in Hamburg war so müde, dass er im Gespräch fast einschlief.
Wir bekamen auch Präsentationstermine bei Unternehmen, die gar nicht investieren können, das erfuhren wir aber erst hinterher von anderen Marktteilnehmern.
Teilweise hatten wir mehr Berater als Mitarbeiter. Das Ergebnis: 0 Cent, aber noch mehr Arbeit. Ich brauche dies, ich brauche das, bitte alles in Farbe und gebunden – und so waren wir zwischenzeitig eher eine Business-Plan-Druckerei, als ein Startup.
Immer wieder mussten wir Kundenschutz gewähren, für Leute, die wir nicht einmal kennenlernten. Und manchmal hatten wir den Eindruck, dass Berater uns zu Zufallsbekanntschaften schleppten, um zu beweisen, dass sie überhaupt noch tätig sind. Ein Vermittler schaffte es sogar, überhaupt niemanden anzusprechen, er hatte einfach keine Zeit unsere zehn Präsentationen, Business-Pläne und Finanzpläne auszugeben. Immerhin entschuldigte er sich nach einem halben Jahr bei einem zufälligen Zusammentreffen dafür.
Einladungen zu Präsentationen bekamen wir ständig, aber meist profitierte davon einzig und allein der Veranstalter. Das Prinzip ist einfach: Kapitalsuchende zahlen Beträge zwischen 500 und 3.000 Euro, damit sie vor angeblichen Investoren präsentieren dürfen. Be einem Anbieter waren wir als Beobachter dabei: Es war erschreckend zu sehen, dass manche Gründer vor leeren Sitzreihen präsentierten und dafür auch noch gezahlt hatten.
Um es kurz zu machen: Alles vergeblich, aber nicht umsonst. Wir hätten uns gewünscht, dass es eine ehrliche, offene Plattform gibt, die darstellt, was wirklich läuft und was nicht läuft in der Szene der Startup-Finanzierungen.
Insofern wünschen wir Gründern hilfreiche Erkenntnisse und Finanziers einige interessante Optionen, ihr Geld auch jenseits des Mainstreams zu investieren.
Markus Burgdorf
Nebenbei: Das angenehmste Gespräch hatte ich bei einem Arzt, der optimal vorbereitet war und mit dem man auf einer Ebene diskutieren konnte, die sich deutlich von der der meisten Investment-Manager abhob. Dabei freundlich und nicht abgehoben, wie wir es bei vielen Investment-Managern erlebten.
Hallo Markus,
ich bin gerade eher zufällig auf Deine/Eure Seite gestoßen und muss sagen, dass mich Dein Bericht bzgl. der Investorensuche sowohl erschreckt als auch beflügelt hat. Wieso beflügelt? Nun ja, es hilft immer zu sehen, dass auch andere mit Problemen zu kämpfen haben und diese erfolgreich bewältigen konnten – das macht Mut zur Eigeninitiative.
Ich finde, Deine Erfahrungen sollten so vielen Interessenten als möglich zur Verfügung gestellt werden. Deshalb möchte ich Dich und Dein Team von ideo hiermit herzlich einladen, einen Kurzclip im Fenster (www.gruenderfenster.de) zu veröffentlichen.
Näheres dazu findet Ihr auf der Startseite und in den FAQs.
Die Einladung steht also – jetzt seid Ihr dran
Freue mich auf Euer Feedback!
Viele Grüße nach Hannover und weiterhin viel Erfolg,
Michael